Dr. Marc Meyer und die Geisterfahrer, Teil 5, Holzköpfe der SNB und BuBa

Links zu vorherigen Beiträgen: Teil 1, Geld, Teil 2, Liquidität, Teil 3, Nur Aktiva sind Zahlungsmittel, Teil 4, Meyers Parallelwelt

Einige von Meyers Weisheiten:

Ja die Guthaben der Banken bei der SNB sind gesetzliche Zahlungsmittel für die Banken.
Daraus folgt, dass die Banken mit ihrem Geld, das bei der SNB liegt, jederzeit etwas bezahlen dürfen.
Also muss die SNB liefern.
Aber das geht nicht in die Holzköpfe der SNB und der BuBa 1 hinein.

und weiter aus:
Die SNB hat den Währungskrieg selbst angezettelt – und schon wieder eine Schlacht verloren

Weber ist ein Zentralbank-Fantast, der meint, eine Zentralbank habe keine Schulden, müsse diese nie zurückzahlen. Er war Doktorvater des jetzigen Bundesbankpräsidenten Jens Weidmann, der in seinen Schulmädchen-Interviews auf You-Tube behauptet, die EZB könne „schuldtilgendes“ Geld drucken.
Zu behaupten, eine Zentralbank könne ihre Schulden abbauen, indem sie Geld emittiert, ist genauso absurd wie zu behaupten, eine Zentralbank könne die Passivseite ihrer Bilanz verkürzen, indem sie diese verlängert.

Schuldtilgendes Geld
Um die Behauptungen Meyers zu untersuchen ist ein Blick in den zu Grunde liegenden Youtube-Film erforderlich 2. Der nachfolgende Ausschnitt beginnt bei 3″59′.
Schüler diskutieren mit Jens Weidmann
Eine Mitschrift zum Nachlesen:

Ist es möglich, dass die Europäische Zentralbank Pleite geht?
Ja, im Grunde nicht. Das heißt aber nicht, dass es eine irrelevante Frage ist für uns. Im Grunde deswegen nicht, weil wir die einzige Institution sind, die das schuldbefreiende Zahlungsmittel selbst herstellt, also ganz einfach ausgedrückt, wenn wir eine Rechnung bezahlen wollen dann können wir das Geld um die Rechnung zu bezahlen natürlich drucken. Ob das das Vertrauen stärkt in die Notenbank ist eine andere Frage. Insofern, um das technisch auszudrücken, können wir natürlich mit negativem Eigenkapital, das ist ja der technische Begriff für Insolvenz, können wir natürlich mit negativem Eigenkapital funktionieren und operieren.
Das führt uns aber relativ schnell, wenn das ein bestimmtes Ausmaß überschreitet in sehr schwierige Diskussionen die auch unsere Unabhängigkeit in Frage stellen können und das Vertrauen der Bürger in Ihre Notenbank. Zum einen weil man irgendwann darüber sprechen wird die finanzielle Unabhängigkeit der Notenbank wieder herzustellen in dem der Staat sie rekapitalisiert, dann zahlt der Steuerzahler oder wir tragen solange Verluste vor uns her dass wir auch keine Gewinne ausschütten, das merkt dann irgendwann auch der Steuerzahler weil der Finanzminister kein Geld mehr bekommt und wenn sich diese Schere immer weiter öffnet dann haben wir natürlich auch ein Problem weil dann viele Bürger glaube ich das Vertrauen in die Werthaltigkeit unserer Bilanz und unser In(sti)tut insgesamt verlieren werden. Deshalb ist die Frage technisch einfacher als in der Praxis. Es gibt aber Notenbanken die mit negativem Eigenkapital operiert haben, aber das ist kein Dauerzustand und wird in der Regel auch nur kurzfristig toleriert.


Es ist erforderlich, sich den kompletten Text anzusehen und nicht wie von Meyer vorgenommen, nur einzelne Passagen zu entnehmen und daraus die falschen Schlüsse zu ziehen.

Weidmanns Aussage, die EZB könne „schuldtilgendes“ Geld drucken, wird so auch von Meyer korrekt wiedergegeben.
Besteht zwischen zwei Geschäftspartnern eine Geldschuld, so ist die Übergabe von Bargeld „schuldbefreiend“. Folglich besitzt das Bargeld die Eigenschaft „schuldbefreiend“ zu sein. Die Deutsche Bundesbank kann das Bargeld selbst herstellen 3.
Aber bereits der nächste Satz von Meyer ist bewusst irreführend
„Zu behaupten, eine Zentralbank könne ihre Schulden abbauen, indem sie Geld emittiert, ist genauso absurd wie zu behaupten, eine Zentralbank könne die Passivseite ihrer Bilanz verkürzen, indem sie diese verlängert.“

Weidmann sagte, dass die Bundesbank mit „selbstgedrucktem Geld“ eine Rechnung bezahlen könne. Er hat hingegen nicht gesagt, dass die Bundesbank mit selbstgedrucktem Geld ihre Schulden bezahlen könne. Dies ist ein Fehlschluss von Meyer, den er immer wieder pupliziert. Aufklärende Kommentare zu seinen Fehlschlüssen ignoriert Meyer regelmäßig.
Wenn Weidmann weiter ausführt, dass die Bundesbank auch mit negativem Eigenkapital arbeiten könne so ist dies eindeutig der Hinweis, dass fortgesetztes Drucken von Geld zu negativem Eigenkapital führen kann. Das Drucken von Geld vermindert also das Eigenkapital, d. h. die Bundesbank sollte nur vorübergehend durch das Drucken von Geld ihre Rechnungen bezahlen.
Mit keinem Wort also hat Weidmann behauptet, die Bundesbank könne durch das Drucken von Geld ihre Schulden verringern.
Die Aussage Meyers „Zu behaupten, eine Zentralbank könne ihre Schulden abbauen, indem sie Geld emittiert“ ist eine bewusste Unterstellung. Weder Weidmann noch der ehemalige Bundesbankchef Weber noch der SNB-Chef Jordan haben behauptet, mit der Emission von Geld könne eine Zentralbank ihre Schulden bezahlen.

Im Anschluss an die oben genannte Fragebeantwortung nimmt Weidmann Stellung zu der Frage:
Warum halten Notenbanken Gold?
Eine Textmitschrift:

…. Im Grunde ist man bei der Golddiskussion natürlich zuallererst bei der Frage, warum halten Notenbanken überhaupt Gold und zwar aus den Gründen die wir bei der anderen Frage schon andiskutiert haben. Der eine Grund ist natürlich Vertrauen in die Werthaltigkeit der Notenbankbilanz. Wir geben Papier aus, bedrucktes Papier, es ist nicht mehr als das und dieses Papier hat einen Wert den es dadurch erhält das ihr euch darauf verlassen könnt damit morgen noch bezahlen zu können und das wird natürlich gesichert durch die Eigenschaft als gesetzliches Zahlungsmittel. Diesem Papier das wir ausgeben, den Banknoten die wir ausgeben steht in der Bilanz was gegenüber. Und da ist natürlich Gold ein Aktivposten der eine besondere Sicherheit ausstrahlt, weil Gold im Gegensatz beispielsweise zu Forderungen
eben keine Forderungen gegenüber Dritten darstellt.

Aus diesem Text lässt sich gut seine Interpretation zum Wert von Geld herauslesen. Geld besitzt einen Wert, weil:

  • Vertrauen in die Notenbank als Geldemittent besteht.
  • Wir uns darauf verlassen können, dass wir auch morgen noch damit bezahlen können.
  • Das Vertrauen gesichert wird durch die Eigenschaft von Bargeld als „gesetzliches Zahlungsmittel“.
  • Dem ausgegebenen Geld in der Bilanz Vermögenswerte gegenüber stehen.

Meyers Sichtweise, das Geld nur durch Vermögenswerte in der Bilanz repräsentiert werde, wird also auch von Weidmann so nicht unterstützt. Den Zentralbankchefs nun zu unterstellen, sie wüssten nicht wovon sie sprechen, kann man nur als billigen populistischen Trick von Meyer ansehen.

Zurück jedoch zu Meyers Behauptung, dass Geschäftsbanken mit Guthaben bei der SNB jederzeit von dieser die Herausgabe von Vermögenswerten der SNB fordern können. Die Geschäftsbanken sind bereits im Besitz von „gesetzlichen Zahlungsmittel“. Was also können sie noch fordern? Die SNB hat ihnen doch gesetzliche Zahlungsmittel zur Verfügung gestellt. Das möchte Meyer jedoch nicht erkennen sondern verbreitet: „Aber das geht nicht in die Holzköpfe der SNB und der BuBa hinein.“

Fußnoten:

  1. SNB = Schweizerische Nationalbank und BuBa = Deutsche Bundesbank
  2. Meyer bezeichnet dieses Treffen mit Schüllerinnen und Schülern von Gymnasien herabwürdigend als „Schulmädchen-Interview“
  3. Dies gilt nur in übertragenem Sinn, da die Bundesbank die Banknoten von einer Notendruckerei bestellt und nicht selbst herstellt. Mit „drucken“ ist hier die Inumlaufbringung von Banknoten gemeint.
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2 Kommentare zu Dr. Marc Meyer und die Geisterfahrer, Teil 5, Holzköpfe der SNB und BuBa

  1. Urs Abderhalden sagt:

    Viel zu viel Aufmerksamkeit für einen irrlichternden Vielschreiber-Nichtssager.

  2. Rudi sagt:

    Leider muss ich Ihnen mit Ihrem Kommentar Recht geben. Den in seinem Modell versteckten Unsinn erkennt man jedoch vielfach erst, wenn man sich näher mit seinen vielfältigen Irrtümern beschäftigt. Mit meiner Beitragsreihe möchte ich für mich jedoch auch einen Schlussstrich unter meine vielen Kommentarversuche setzen. Da eine Diskussion mit Herrn Meyer, wie auch mit seinem Gefolge, welches nur seine Dogmen gebetsmühlenartig wiederholt nicht möglich ist, habe ich diesen Weg gewählt. In den Hunderten von Kommentaren auf IP geht jede auch noch so gut gemeinte Sachdiskussion in dem Bashing von Meyer und Consorten gegen Andersdenkende unter. Nur Meyers Modell in seinem Wolkenkuckucksheim repräsentiert die Realität.

    LG
    Rudi

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