Dr. Marc Meyer und die Geisterfahrer, Teil 1, Geld

Die Argumentation von Dr. Marc Meyer gegenüber Aussagen von Prof. Dr. Thomas J. Jordan, Präsident des Direktoriums der Schweizer Nationalbank gipfelt in dem Satz an einen Kommentator auf Inside Paradeplatz.

„Sie wollen Sie die Rede von Herrn Jordan verstehen, wenn dieser selber nicht versteht, wovon er spricht?
Jordan verwechselt Vermögen und Schulden der SNB, Aktiven und Passiven der SNB, Forderungen und Verbindlichkeiten der SNB und ind und.“

Von Jens Weidmann, Präsident der Deutschen Bundesbank, Axel Weber, ehemaliger Präsident der Deutschen Bundesbank, heute UBS Chef und auch von Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, behauptet er ähnliches 1 2.
Auch der ganzen Wirtschaftselite der Schweiz wirft er in seinem Nachtrag XIII vor, den Vortrag von Herrn Jordan zu hören und zu lesen und nur artig mit dem Kopf zu nicken.

Es stellt sich mir nun die Frage: „Sind alle vorgenannten Fachleute Geisterfahrer, oder handelt es sich nur bei Herrn Dr. Marc Meyer und seinen Gefolgsleuten um solche?“ 3
Herr Meyer hat zu diesem Themenkomplex zig Beiträge auf „Inside Paradeplatz“ geschrieben, welche mit insgesamt einigen tausend Kommentaren versehen wurden.

Nachfolgend aus diesen Kommentaren einige wesentlichen Aussagen von Herrn Meyer, welche sowohl bei Fachleuten wie auch bei kundigen Laien auf Widerstand stoßen.

  • „Die Banken können ihre Guthaben von der SNB zurückverlangen. Ansonsten wären es ja gar keine Guthaben („etwas zugut haben“).“
  • „Fordern die Banken ihre Giroguthaben zurück, so MUSS ich wiederhole MUSS die SNB einen Vermögenswert veräussern.“
  • „Wenn die SNB beim Verkauf ihrer Euros nicht genügend Franken zurückwechseln kann, so kann sie den Geschäftsbanken deren Guthaben auch nicht mehr vollumfänglich zurückzahlen.
    Die SNB ist dann zahlungsunfähig!“
  • „Doch – die Zentralbank kann illiquide werden!“
  • „Der einzige Unterschied zwischen einer Geschäftsbank und einer Zentralbank ist der, dass bei der Geschäftsbank das Eigenkapital für Verbindlichkeiten haftet und bei einer Zentralbank das Eigenkapital plus der Steuerzahler.“
  • Negatives Eigenkapital der SNB überträgt sich eins zu eins auf die Geschäftsbanken. Das wird zu Konkursen bei den Geschäftsbanken führen. Das übersehen die Notenbanker.
  • „Genauso darf die SNB mit den Giroguthaben der Banken auch nicht eigene Schulden begleichen“
  • „Es hilft Ihnen und der SNB nicht weiter, wenn Sie Banknoten als gesetzliches Zahlungsmittel bezeichnen. Die Banknoten sind gesetzliches Zahlungsmittel für sämtliche Marktteilnehmer ausser der Nationalbank selbst.“

Um herauszufinden, wo denn nun die „Geisterfahrer“ zu verorten sind, müssen einige Grundlagen und auch Aussagen von Herrn Meyer näher untersucht werden.

UBS-Franken, CS-Franken und SNB-Franken
An den Anfang der Untersuchung von Herrn Meyers Behauptungen stelle ich ein einfaches Gedankenexperiment, um seine teilweise kaum nachvollziehbaren Vorstellungen besser zu verstehen.

In der Schweiz existieren drei Banken, Die UBS, die CS und die SNB. Jede dieser Banken gibt ihre eigenen Franken aus, also UBS-Franken, CS-Franken und SNB-Franken. Die Franken der SNB (Schweizer Nationalbank) sind keine „gesetzlichen“ Zahlungsmittel.

Diese drei Währungen sind unabhängig voneinander, d. h. 1 CS-Franken kann höher bewertet werden als 1 UBS-Franken. Die jeweiligen Franken werden bewertet nach dem Vertrauen der Bankkunden in die einzelnen Banken und unterliegen dem Risiko der Spekulation durch Geldhändler. Auch haben die Vermögenswerte, die wirtschaftliche Lage wie auch die Zukunftsprognosen der Bank Einfluss auf den Wert ihrer Währung.

Die CS hat nun Forderungen in Höhe von 10 Mrd. SNB-Franken an die SNB, welche in der CS-Bilanz mit einem Wert von 10 Mrd. CS-Franken erscheinen. Es stellt sich nun heraus, dass die SNB sich als international tätiger Hedgefond verspekuliert hat und die SNB-Franken 10 % an Wert verlieren.
Folglich sind auch die Forderungen der CS an die SNB um 10 % in ihrem Wert zu berichtigen. Diese besitzen in der CS-Bilanz jetzt nur noch einen Wert von 9 Mrd. CS-Franken.
Dieses Bild hat Herr Meyer offensichtlich vor Augen, wenn er davon spricht, dass die Geschäftsbanken ihre Forderungen an die SNB wertberichtigen müssten, sollte die SNB mit negativem Eigenkapital arbeiten.

Gesetzliches Zahlungsmittel
Die vorgenannten Abhängigkeiten verändern sich jedoch grundlegend, wenn alle Banken sich auf eine gemeinsame Währung einigen und eine der Banken dabei die Funktion der Zentralbank übernimmt. Die von der Zentralbank SNB herausgegebenen Zahlungsmittel gelten als „gesetzliche Zahlungsmittel“. Eine Geldschuld zwischen zwei Parteien wird grundsätzlich durch die zur Verfügungstellung von „gesetzlichem Zahlungsmittel“ in entsprechender Höhe beglichen.

„Ding-Geld-Ebene“ und „Schuld-Geld-Ebene“

„Ding-Geld-Ebene“
Viele Verwirrungen um die Beschreibung und Funktion von „Geld“ entstehen durch zwei, teilweise sehr unterschiedliche Sichtweisen. Die einfache, vielfach auch von Ökonomen verwendete Vorstellung betrachtet „Geld“ als ein Ding, eine Sache. Ich besitze Geld in Form von Bargeld und zahle dieses auf mein Konto bei der Geschäftsbank ein. Nun „liegt“ mein Geld auf dem Konto der Bank. Benötige ich dieses Geld momentan nicht, kann ich es auf mein Sparkonto legen und erhalte in normalen Zeiten Zinsen dafür. Benötigen nun andere Bankkunden Geld, so kann die Bank diesen mein „Geld“ ausleihen. So auch die Sichtweise, welche in unseren Schulen noch vielfach verbreitet wird.

Die „Ding-Geld-Ebene“ kann jedoch unser Geldsystem nur sehr unzureichend beschreiben. Wenn die Bank das „Geld“ von meinem Sparbuch an andere Bankkunden verleiht, kann es doch nicht mehr auf meinem „Sparbuch liegen“. Ein Blick auf die Eintragungen in meinem Sparbuch zeigt mir jedoch, dass das Geld sich immer noch auf meinem Sparbuch befindet. Folglich zeigt die Nutzung der Ding-Geld-Ebene doch erhebliche Lücken bei der Darstellung der Funktionen unseres Geldsystems auf.

„Schuld-Geld-Ebene“
Einen ganz anderen Ansatz verfolgt die „Schuld-Geld-Ebene“. Ich benötige 5.000 Franken zum Kauf eines Autos und gehe zu meiner Geschäftsbank. Dort schließe ich einen Kreditvertrag ab und verpflichte mich, der Bank nach Ablauf von einem Jahr 5.000 Franken zurückzuzahlen.
Daraufhin richtet die Bank mir ein Kontoguthaben über 5.000 Franken ein. Mein Kontoguthaben ist eine Geld-Forderung an die Bank und für die Bank eine Verpflichtung mir gegenüber. Mit diesem Kontoguthaben kann ich nun das Auto kaufen, indem ich eine Überweisung über 5.000 Franken an den Verkäufer des Autos tätige. Auch die Abhebung von Bargeld und Zahlung mit diesem wäre möglich, ohne wesentliche Änderung der Folgen.

Was geschieht bei einer Überweisung?
Vor der Überweisung besitze ich eine Forderung über 5.000 Franken an die Bank. Diese Forderung wird nun durch die Überweisung an den Verkäufer des Autos übertragen. Der Kontostand des Verkäufers erhöht sich um 5.000 Franken. In der Umgangssprache wird nun behauptet, er habe 5.000 Franken auf seinem Konto 4. Tatsächlich aber besitzt er nur eine Forderung an die Geschäftsbank in Höhe von 5.000 Franken, mit welcher er jedoch ebenso wie mit Bargeld einkaufen, bzw. im juristischen Sinn eine Geldschuld begleichen kann.

Eine Schlussfolgerung:

Möchte man das Geldsystem näher hinterfragen, sollte man sich für eines der beiden Modelle entscheiden. Entweder für die vereinfachte, aber nur beschränkt anwendbare „Ding-Geld-Ebene“ oder aber für die tiefergehende „Schuld-Geld-Ebene“. In letzterer bestehen Zahlungsmittel nur aus Forderungen und erlauben, interne Vorgänge in Banken, einschließlich deren Buchhaltung, bedeutend besser zu verstehen.

Fortsetzung Teil2, Liquidität


Weiterführende Quellen:

Geld, Kredite und Forderungen
Es werde Geld


Fußnoten:

  1. Um die eigenen Schulden zu bezahlen, können die Zentralbanken nicht einfach Geld drucken, wie die Chaotiker Jens Weidmann, Thomas Jordan, Axel Weber, Mario Draghi usw. behaupten.“ Marc Meyer Dr., 9. Oktober 2018 / 10:36
  2. „Die Zentralbanken können somit nicht unbeschränkt Liquidität (Jordan), unbeschränkt Finanzkraft (Weidmann) oder unbeschränkte Mittel (whatever it takes, Draghi) schöpfen.“ Meyer Marc, Dr., Nachtrag III, 15. September 2017 / 09:28
  3. Kommentar vom 21. Juni 2017 / 20:12,
    „Herr Dr. Marc Meyer qualifiziert herablassend einige Erdenbürger als Trolls!
    Der Falschfahrer MM und seine Anhänger sind verwirrt, weil die meisten normal denkenden Menschen entgegenkommen?

  4. Herr Meyer führt zum Beispiel aus:
    „Die Bank darf mit Ihrer Einlage keine eigenen Schulden begleichen“
    Mit meinem Geld auf meinem Konto darf die Bank nicht ihre eigenen Rechnungen begleichen?
    Solche Aussagen belegen meiner Ansicht nach, dass Herr Meyer grundsätzliche Funktionen der Schuld-Geld-Ebene nicht verstanden hat. Er benutzt Aussagen aus der „Ding-Geld-Ebene“ zur Hinterfragung von bankinternen Vorgängen. Damit stiftet er jedoch die totale Verwirrung. Niemand hat bisher behauptet, dass die Geschäftsbanken Einlagen der Kunden zur Zahlung ihrer eigenen Rechnungen benutzen.
Dieser Beitrag wurde unter Geld, Geldschöpfung veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.