Autor Thema: Prof. Franz Josef Radermacher - ökosoziale Marktwirtschaft  (Gelesen 2108 mal)

Matthias

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(Anmerkung: Kopiert aus dem alten Q-Forum, ursprünglich eingestellt von Georg)

Franz Josef Radermacher(* 20. März 1950 in Aachen) ist Professor für Informatik an der Universität Ulm und Leiter des Forschungsinstituts für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung/n. Bekannt geworden ist er u.a. durch sein Eintreten für eine weltweite Ökosoziale Marktwirtschaft und durch sein Engagement in der Global Marshall Plan Initiative, die sich seit 2003 für eine gerechtere Globalisierung, für eine Welt in Balance, einsetzt.

In den folgenden Jahren entwickelte sich Radermacher zu einem vielgefragten Experten für Globalisierungsgestaltung, Innovation, Technologiefolgen, umweltverträgliche Mobilität, nachhaltige Entwicklung, Überbevölkerung. Franz Josef Radermacher und Josef Riegler gehören zu den geistigen Vätern der Global Marshall Plan Initiative und der zugrunde liegenden Zielvorstellung einer weltweiten Ökosozialen Marktwirtschaft.


http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Josef_Radermacher


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Wachstum neu denken

Position des FAW/n von Prof. Dr. Dr. F. J. Radermacher

Die Zukunft hängt ab von Entscheidungen der Weltgemeinschaft mit den möglichen Entwicklungen ökologischer Kollaps, Brasilianisierung, Welt in Balance. Welt in Balance setzt eine an Weltethosansprüche und an die Idee der Weltinnenpolitik orientierte Global Governance voraus, die im ökonomischen Bereich zu einer weltweiten Ökosozialen Marktwirtschaft führt. Innovationen in Technik und Governance beinhalten in dieser Situation das Potential eines doppelten Faktor 10 über die nächsten 70 Jahre: Verzehnfachung der Weltwirtschaftsleistung bei gleichzeitiger Verzehnfachung der Ökoeffizienz und Herbeiführung eines weltweiten balancierten Wohlstands in Frieden mit der Umwelt: ökosozial statt marktradikal.



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Die ökosoziale Marktwirtschaft als neue Mitte zwischen Planwirtschaft und marktradikaler Wirtschaft.
Forderung eines globalen Marshallplanes mit dem Ziel eine globale ökosoziale Marktwirtschaft zu verwirklichen.





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Wachstum und seine Grenzen
5. Dezember 2009 — Franz Josef Radermacher spricht über das Wirtschaftswachstum und über die Grenzen der Ökonomie.





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Zwei Bloomberg-Interviews mit Prof.Radermacher

Prof. Radermacher Bloomberg Febr. 2008

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Prof. Radermacher Bloomberg Febr. 2009

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Prof. Radermacher über Medien, Sprachmanipulation & Bewusstseinsbildung




dasIntegral07 — 10. Januar 2009 — Prof. Dr. Franz Josef Radermacher
Interview mit Martin Sambauer im September 08
Kamera: Johannes Straub

Interviewtext:
"Also unsere Position ist, dass Bewusstseinsprozesse der Schlüssel sind. Wir argumentieren für eine neue Aufklärung. Wir glauben, dass es gut wäre die Menschen würden mehr verstehen. Es ist auch durchaus unser Eindruck, dass Machtstrukturen im Besonderen die Medien benutzen, um Aufklärung zu verhindern, bzw. um Bilder in die Welt zu setzen, die Falsche Hinweise geben. Wir haben Sprachmanipulation als normale Struktur. Wenn heute ein US-Präsident die bestehenden Gesetze zum Schutz der Natur etwa in Alaska aufweichen will, dann macht er das mit einem neuen Gesetz. Aber das neue Gesetz wird immer den Namen haben: Gesetz zum noch besseren Schutz unserer natürlichen Ressourcen in Alaska. Und in einem Gesetz, was so tut, als würde es den noch besseren Schutz bringen, wird dann der Ausnahmetatbestand geregelt, unter dem anschließend nach Öl gebohrt werden kann. Das heißt, Manipulation von Bildern zur Verhinderung von Verstehen ist ein wesentliches Machtinstrument in dieser Gesellschaft und ist sehr assymetrisch verteilt, zu einer bestimmten Akteursgruppe, die im Besonderen natürlich über enormes Kapital verfügt.
Trotzdem ist die Sache komplizierter. Wenn wir im letzten den Arbeitnehmer haben, der vernünftige Arbeitsbedingungen will und derselbe Arbeitnehmer unter dem Motto „Geiz ist geil ganz billig einkauft, dann ist es dieses Einkaufen, was unter Umständen zur Folge hat, dass er den Arbeitsplatz nicht mehr hat. In einem Dorf im Mittelalter, da stellten sich die Fragen so nicht. Wenn einer da die Milch ganz billig wollte, dann war das aber die Milch, die sein Schwager produzierte und wenn er nichts zahlte für die Milch dann hatte eben der Schwager kein Einkommen und das war jedem offensichtlich. Da stellten sich bestimmte Fragen nicht. Wenn ich Prozesse weltweit organisiere, anonymisiere, über verschiedene Länder verteile, dann ist die Stelle wo ich kaufe völlig abgetrennt von der Stelle, wo ich Arbeite und verdiene. Und im Besonderen hat der Prozess auch nicht die Transparenz, die mir geradezu aufzwingt zu erkennen, weshalb ich jetzt billig kaufe. Und dann weiß ich auch nicht, dass ich dadurch, dass ich billig kaufe letztlich in Gang setze, dass mein Nachbar seinen Arbeitsplatz nicht mehr hat.
Man kann eben nicht alles gleichzeitig haben. Man kann sich nicht die Rosinen rauspicken. Viele Bürger wollen aber mit diesem Zusammenhang aber auch gar nicht konfrontiert werden, weil dieser Zusammenhang auch jede einzelne Kaufentscheidung erschweren würde und im Besonderen wäre man wieder mit dem Problem des Gefangenendilemmata konfrontiert: selbst wenn ich den höheren Preis zahle, alle anderen ihn aber nicht zahlen, dann gibts den Arbeitsplatz bei meinem Nachbarn trotzdem nicht mehr, aber ich war der Dumme und hab viel bezahlt während die anderen wenig bezahlt haben. Darum erhoffen wir uns ja alle eine vernünftige Gesellschaft, die eine ökosoziale Marktstruktur durchsetzt, bei der über Gebote, Verbote, Regulierung und möglicherweise allgemein akzeptierte moralische Grundsätze sichergestellt ist, dass der Gesamtprozess des Wirtschaftens Sinn macht. Und dann muss ich als Käufer nicht bei jeder einzelnen Kaufentscheidung 15 ethische Fragen miteinander verrechnen, sondern ich kaufe und der Preis gibt dann ein vernünftiges Signal und dieses Signal ist zuverlässig. Also sollte meiner Ansicht nach die Stoßrichtung dieser Bewusstseinsprozesse insbesondere dahin gehen, dass wir an vernünftigen Strukturen arbeiten. Dass wir dann aber auch verstehen, dass das weltweite Strukturen sein müssen und dass sie den Schutz der Umwelt weltweit und insbesondere auch in transnationalen Prozessen durchsetzen müssen. Und dass wir gleichzeitig die soziale Frage dem ganzen Globus angehen müssen. "



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Prof. Radermacher über die Gegenmacht Internet




dasIntegral07 — 3. März 2009 — "Zunächst einmal ist die Frage: auf welcher Ebene operiert das Medium. Wer sich vertieft mit Bewusstseins- und Erkenntnisprozessen beschäftigt weiß, dass für die Art, wie man Informationen bewertet, der Rahmen entscheidend ist, in dem die Information angeboten wird das Denkschema. Man nennt das manchmal auch das Narrativ oder den Frame. Also das Entscheidende ist das Framing. Wenn man zum Beispiel das Kosovo-Thema betreibt, vor dem Hintergrund blutrünstiger Serben, die sich dem Freiheitswillen eines kleinen Volkes entgegen stellen und wenn man uns als Befreier sieht, dann sind die Prozesse, die jetzt um Kosovo laufen irgendwo zu rechtfertigen. Selbst wenn man letztlich gegen das Völkerrecht operiert. Dann das sind jetzt Grenzveränderungen, ohne zum Beispiel Zustimmung des Weltsicherheitsrat, ohne Zustimmung des beteiligten Landes. Das Prinzip der Heiligkeit der Grenzen wird verletzt, aber wir machen das dann einfach und wir haben ein Framing, dass das OK ist, wenn wir das tun. Wenn jetzt Russland in Georgien genau das Selbe tut, dann sind das aber böse Russen und die haben wieder sowjetunion-imperialistische Absichten und wenn die völkerrechtlich im Wesentlichen das Selbe tun, wie wir, dann ist das aber da böse und bei uns gut und das alles ist schon im Frame. Bei uns haben differenzierte Kommentare innerhalb des Frames. Aber wer bei uns gegen den Frame anargumentiert ist meistens sofort aus dem System raus. Das kann sich ein kleiner Redakteur sowieso schon gar nicht erlauben. Und alles was von den News-Agencies, von den Agenturen kommt, ist immer schon im selben Frame.
Wir hatten nach dem 11.9. einen Frame innerhalb von wenigen Stunden. Das war ein „brutaler Terror des Islam und wir sind jetzt im Krieg mit dem Terror. Dies Bild des Kriegs war absurd, weil der klassische Kriegsbegriff sich nicht auf die Auseinandersetzung mit Terrorgruppen bezieht. Aber die Nato hat sogar den Kriegszustand erklärt, was begrifflich auch überhaupt keinen Sinn macht, aber damit war ein Frame durchgesetzt. Wer nicht in diesem Frame argumentiert ist sofort weg vom Fenster. Ist beruflich weg vom Fenster, ist institutionell weg. Das heißt es gibt eine „political correctness im Bezug auf Frames und die Interessen werden im Wesentlichen über die Setzung von Frames durchgesetzt.
Die Frage ist: gibt es eine Gegenmacht, gibt es eine Stelle, wo anders argumentiert wird? Ja -im Besonderen natürlich das Internet. Das Internet ist heute ein Medium, das wird für viele Zwecke genutzt, aber man kann es natürlich auch nutzen, in der Form, dass sich kritische Gehirne zusammenschließen und austauschen und informieren und Gegenöffentlichkeit aufbauen. Das hat natürlich nicht die plakative Wirkung von Zeitungen mit Millionen-Auflagen, ist aber insofern manchmal wirksamer, als gut ausgebildete Gehirne Grundsatzentscheidungen treffen, nämlich Frames in ihrem Kopf verändern und deshalb jede Nachricht, die in Zukunft kommt anders lesen.
D.h. das Medium das eine bestimmte Nachricht transportiert erzeugt aber in einem anders gepolten Gehirn eine ganz andere Mitteilung. Jetzt plötzlich bekommen die Medien aber eine ganz andere Funktion das ist eine Funktion, die sie wirklich nicht wollen. Aber in der früheren DDR konnten die Bürger der DDR im „Neuen Deutschland einigermaßen präzise verstehen, was auf der Welt passierte, weil das was auf der Welt passierte, spiegelte sich in den Frames vom „Neuen Deutschland lesbar wider. Wer also diesen Code verstand, konnte aus diesem Code auf eine andere Welt schließen. Heute gibt das Internet, geben persönliche Vernetzungen, viele Möglichkeiten Gegenwelten aufzubauen. Und nicht überraschend läuft im Moment ein großer Kampf darum, wer das Internet und den Zugang zu den Informationen kontrolliert. Das ist einmal ein Thema der Suchmaschinen und die Frage der Prioritätseinstellungen in Suchmaschinen. Und dann ist es ein Thema der Internet Governance. Al Gore, der frühere Vizepräsident der USA, hat ein sehr schönes Buch zu diesem Thema geschrieben. Es heisst: „ Wider die Vernunft. Er untersucht die problematische Lage der US-Demokratie, aber er beschreibt im Besonderen, welche Gegenmacht potentiell im Internet und im WEB 2.0 liegt, aber auch wie gefährdet diese Gegenmacht ist, durch die im Moment laufenden Versuche, die Nutzung des Internet vom Inhalt her zu kontrollieren. Das ist eines der wichtigen Felder, wo über die Möglichkeit offener, nicht regulierter Kommunikation gestritten wird."



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CIPRA-Jahresfachtagung 2009: Interview mit Franz Josef Radermacher

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CIPRAInternational — 21. September 2009 — Interview mit Prof. Dr. Dr. Franz Josef Radermacher (Club of Rome)
im Rahmen der CIPRA Jahresfachtagung 2009 in Gamprin (FL). (c) CIPRA, www.cipra.org



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Kurzer TV-Beitrag mit Prof. Radermacher






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« Letzte Änderung: 20. April 2011, 09:42:00 von Matthias »
If you have an apple and I have an apple and we exchange these apples then you and I will still each have one apple. But if you have an idea and I have an idea and we exchange these ideas, then each of us will have two ideas.
  --  George Bernard Shaw