Autor Thema: Peak Oil  (Gelesen 19615 mal)

Eurelios

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Re:Peak Oil
« Antwort #30 am: 03. Juni 2012, 17:58:20 »
Hallo Markus und Rudi,

gebe jetzt auch mal meinen Senf über das Thema Peak Oil dazu. Also ich bin beruflich seit
sehr vielen Jahren Logistiker und kann Euch mit fast 100% Sicherheit sagen alles auf diesem Planeten ist endlich. Genau so
wie mit dem menschlichen Leben das auch immer endlich ist.

Man kann ja streiten über den  Zeitpunkt wann das Oil alle ist aber das ist mE so was von unwichtig wie wenn in Peking in der
Maostr. ein Fahrad umfällt.

Viel wichtiger wäre es sich Gedanken zu machen: Was tun bei immer mehr Menschen auf der Erde und den endlichen Rohstoffen
was diesen Planeten betrifft.

Seit mir nicht böse aber ich sehe nur einen Aus?weg, der mit Sicherheit kommen wird, eine ,,brutale,, Reduzierung der Menschen
auf der Erde so oder so durch gegenseitigem abschlachten nur allein dem Urtrieb geschuldet wenn es um das Überleben geht
ist man sich selbst der Nächste.

Mad Max lässt Grüssen.

Das meine ich im Ernst. Habe mal ein Videobericht gesehen wo ein Familienvater gefragt wurde wie das war im Hotelgarten in Puket
als die Flutwelle kam.
Er sagte, und weinte dabei, alls die Flutwelle kam dachte er nur an sich selber und an sein Leben. Seine Frau und seine zwei Kinder die
neben Ihm waren hatte er ganz ausgeblendet und konnte oder wollte nicht helfen um sein eigenes Leben zu retten. 1 Kind und die
Frau ertranken.

Grüße von

Günter  
« Letzte Änderung: 03. Juni 2012, 19:01:56 von Eurelios »

HannsGschaft

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Re:Peak Oil
« Antwort #31 am: 03. Juni 2012, 21:20:22 »
Hallo Günter

Womit wir wieder beim Peak-sonstwas wären. Solange ein Rohstoff vom anvisierten Kundenkreis noch bezahlt werden kann, wird sich an dieser Verwertungsstrategie nichts ändern. Spätestens aber, wenn die Absatzmärkte einzubrechen drohen,  wird man auf Alternativen zurückgreifen die auch oftmals schon gut versteckt in den Schubladen schlummern.
Insbesondere bei den Rohstoffen bin ich gegenüber diesen starken Preisschwankungen immer sehr skeptisch. Allein bei Kupfer, Öl und Lithium hat sich in den letzten 5 Jahren gezeigt, wie stark die Preise von Spekulationen und Protektionismus gesteuert werden. Ende des Jahres 2007 wurde uns von den Terminkontrakthändlern ein Ölpreisanstieg auf 200$/B angekündigt. Bis Juni 2008 hat es auch ganz danach ausgesehen. Immerhin hatten wir die 150$-Marke geknackt. Danach kam der Finanzcrash und es ging wieder unter 70$. Wenn man bedenkt, daß zu dieser Zeit annähernd die 10-fache Fördermenge per Kontrakte gehandelt wurde, kann man sich an den Fingern abzählen wieviel Spekulation dahintersteckte. Es wurde ja keine konkrete Ware gehandelt, sondern nur Kaufrechte vom jeweiligen Vorbesitzer. Die großen Gewinner (und Verlierer ab 07/2008) bei diesem Spiel waren weniger die Förderländer, sondern die Kontrakthändler die immer wieder einen Dummen (oder Gierigen) fanden, der ihnen ihre Kaufrechte zu einem noch höheren Preis abkauften. Wie bei solchen Spekulationen üblich, wurden nach dem Crash die letzten von den Hunden gebissen.
Bezüglich Kupfer sitzt Goldman-Sachs heute noch auf einem gigantischen (physischen) Haufen den sie abnehmen mußten, weil sie keine Käufer für ihre überteuerten Kontrakte mehr fanden.
Und zum Thema Lithium (und andere "seltene Erden") hat sich China das Preisdiktat nicht von den Spekulanten aus der Hand nehmen lassen. Sie geben einfach nur eine begrenzte Menge zum Export frei und steuern damit selbst den Preis.

Peak Oil: Wirklich knappe Rohstoffe werden nur dann billiger, wenn sie keiner mehr haben will. Alles andere ist Spekulation, was der Markt zu geben bereit ist.

Überbevölkerung
Der Club of Rome meinte in den 70er Jahren so etwa 1 Milliarde Menschen könnte die Erde dauerhaft verkraften. 20 Jahre später äußerte ein prominentes Mitglied der "Friends of Earth" 500 Milllionen währen auch genug.

Für beide Aussagen werden sich genug Freunde finden, solange sie glauben zu den Überlebensberechtigten zu gehören. Da dürften wohl einige von einer Illusion befreit werden, wenn sie kurz vor dem Ziel als nicht mehr benötigte "nützliche Idioten" dastehen.

mfg
Markus

HannsGschaft

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Re:Peak Oil
« Antwort #32 am: 03. Juni 2012, 23:53:43 »
zu #28 von Rudi

Ob unsere Techniker und/oder Wissenschaftler in absehbarer Zeit in der Lage sind, Kohlenwasserstoffverbindungen (vergleichbar mit Öl) industriell herzustellen, kann ich nicht beurteilen. Selbst wenn es bereits heute in Laborversuchen möglich wäre würden sie uns das mit Sicherheit nicht auf die Nase binden. Versuche mit biologischem Ausgangsmaterial sind zumindest daran gescheitert, daß bei den erforderlichen hohen Drücken die molekularen Ketten zerstört wurden.
Wer kann eigentlich heute schon sagen, ob wir in 30 oder 50 Jahren noch Verbrennungsmotoren oder Heizsysteme nach heutiger Bauart haben? Kunststoffe beispielsweise werden heute schon je nach Verwendungszweck aus biologischen oder anorganischen Grundstoffen hergestellt. Vor einiger Zeit habe ich einen Vorschungsbericht gelesen, wonach BASF zusammen mit einer anderen Firma dabei ist, eine neue Art von Polyurethan zu entwickeln. Die nicht näher beschriebenen Grundstoffe sind chemische Abfälle und CO2. Die Materialeigenschaften sollen von weich (wie Haushaltsschwamm), über mittelhart (wie Isolier- oder Dämmstoffe), bis superhart (für hochfeste Formteile) reichen.

Das Geschäft mit Öl wird noch so lange laufen, wie es gewinnbringend vermarktet werden kann. Ich bin zuversichtlich, daß es danach schneller einen brauchbaren Ersatz geben wird als wir es uns heute vorstellen können. Solange sich an unseren Wirtschaftssystemen nichts ändert, wird die Ausbeute der Erde mit immer wieder neuen und chemisch veränderten Basisstoffen weitergehen.

Zu unseren atomaren Abfällen
Das einzig gefährliche was mir einleuchtet ist die hohe Konzentration der strahlenden Materie in diesen Fässern. In einer weitaus geringeren Strahlendichte bietet das Gleiche auch die Natur und die Medizin. Unser Körper kennt da keinen Unterschied, ob wir von einem Isotop aus einem Atommülleimer oder aus einem Röntgenstrahl ungünstig getroffen wurden. Genausowenig macht es einen Unterschied ob wir uns die tödliche Gammadosis von der Sonne im Hochgebirge, bei einer Flugreise oder einer der polaren Regionen abholen. Selbst die permanenten mS (Millisievert) an natürlichen radioaktiven Zerfällen die uns die Erde in regional unterschiedlichen Konzentrationen liefert, sind nicht absolut ungefährlich.
Die technische Frage wäre also nicht, wie man einen auch in der Natur normalen Zerfallsprozess vermeidet, sondern wie man die hohe Konzentration auf ein natürliches Maß reduziert. Wobei ich hier nicht an ein gleimäßiges Verstreuen rund um den Globus denke  ;)

mfg
Markus

HannsGschaft

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Re: Peak Oil
« Antwort #33 am: 12. November 2012, 17:01:07 »
Die Vereinigung der ölexportierenden Länder (OPEC) hat für sich und seine Mitglieder ein dramatisches Problem festgestellt.
OPEC’s Energy Crisis: World Has Too Much Oil
    Date: 08/11/12
    Alex Lawler, Reuters
http://www.thegwpf.org/opecs-energy-crisis-world-oil/

Wie bereits im Link von Matthias (#18) vermerkt, benötigen die OPEC-Länder zur Stabilisierung ihres Staatshaushaltes einen Ölpreis von mindestens 80$/Barrel. Diese Aussage ist allerdings bereits veraltet, oder stellt nur das Limit der noch als Reich zu bezeichnenden Länder dar. Wobei man hier nicht den Reichtum der Scheichs mit der Wirtschaftskraft des Landes verwechseln darf. Allein Dubai bräuchte einen Barrel-Preis von etwa 120$ und ist somit derzeit auf die Hilfe einiger Bruderländer und internationale Geldgeber angewiesen. Trotz (oder gerade wegen) seiner gigantischen Investitionen in die "Nach-Öl-Ära".

In der Vergangenheit konnte die OPEC in begrenztem Maße den Preis durch Limitierung der Fördermenge steuern. Begrenzt deshalb, weil sich einige klamme Partner nur widerwillig oder garnicht an das Limit gehalten haben. Heute haben sie schon das Problem, ihr Öl überhaupt zu einem existenzsichernden Preis los zu werden.

Was ist geschehen? Die Welt braucht doch immer mehr Energie und die chemische Industrie benötigt ebenfalls Produkte aus der Ölverarbeitung?
Hier beißt sich die Katze in den Schwanz, wie man so schön sagt. Es kommen mehrere Faktoren ins Spiel.

1. Ein höherer Ölpreis macht andere Fördermethoden rentabel. Das wird derzeit in besonderem Maße in der Sowjetunion, USA, Kanada und Alaska, sowie die Offshore-Bohrungen in Mittelamerika und im Mittelmeer-Raum ersichtlich.

2. Effizienzsteigerung. Allein in Europa wurde in den letzten 20 Jahren trotz eines 14%igen Anstiegs des Energiebedarfes der Verbrauch von Rohöl als Energieträger um etwa 10% gesenkt. Dabei spielen unsere sogenannten "erneuerbaren Energien" noch keine nennenswerte Rolle, da die Stromproduktion (außer Notstromaggregate) nur unwesentlich vom Ölmarkt abhängig ist.

3. Die chemische Industrie schon sehr akzeptable Alternativen zu den natürlichen Kohlenwasserstoff-Verbindungen ge(er)funden hat und diese, wo immer es wirtschaftlich sinnvoll ist, auch einsetzt.

Meine Meinung: Für die OPEC-Staaten wird es höchste Zeit, sich über ihre Staatsfinanzierung in naher Zukunft Gedanken zu machen. Und das noch weit bevor ihnen das Öl als Devisenbringer ausgeht. Allerdings sollten sich die Entscheidungsträger an Dubai ein Beispiel nehmen, wie es nicht funktioniert. Derart abgedrehte Vorstellungen für die Zukunftsicherung können nur im Hirn eines in Luxus schwelgenden Prinzen entstehen.

HannsGschaft

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Re: Peak Oil
« Antwort #34 am: 13. Juni 2013, 16:42:10 »
Neueste (???) Erkenntnisse der Wissenschaft aus dem Fachbereich Geobiologie legen die Vermutung nahe, daß es sich bei Öl, Gas und Steinkohle doch nicht um die vielzitierten endlichen Resourcen handelt. "Neueste" habe ich deshalb mit Fragezeichen versehen, weil dieses Thema bereits in dem Buch von Thomas Gold "Biosphäre der heißen Tiefe" eingehend beschrieben wurde.

Um die Einleitung kurz zu machen, es handelt sich hier um ein Forschungsprojekt aus dem Jahr 2004 in dem US-amerikanische Geologen bei einer Tiefseebohrung durch die Sedimentschichten in die darunter liegende Erdkruste gebohrt haben. In diesem Basaltgestein fanden sie den direkten Beweis für Leben in der tief unter Sedimenten begrabenen Meereskruste in Form von Mikroben.
Den ganzen Bericht kann man hier lesen: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/forschak/2042794/

Nun was hat das Ganze mit Peak-Oil, -Gas oder -Kohle zu tun?
Es wird ja immer behauptet, diese Energieträger könnten nur fossilen Ursprungs sein, da bei entsprechenden Untersuchungen verschiedene anaerobe Bestanteile von Lebewesen vorgefunden werden. Und diese könnten logischerweise nur von einer prähistorischen Erdoberfläche stammen. Diese Behauptung an sich ist schon sehr Bedenklich. Es wirft sich sofort die Frage auf: Durch welche Lebewesen sind die nachgewiesenen Methanseen auf einem der Jupitermonde entstanden? Welche Pflanzen sind für die langkettigen Kohlenwasserstoffverbindungen in den untersuchten Meteoriten verantwortlich? Fragen über Fragen an die Peak-sonstwas Vertreter.

Wenn also Öl, Gas und Steinkohle ein chemisch-biologisches Produkt aus geologischen Tiefen ist, und durch tektonische Bewegungen (Spannungsrisse und Verschiebungen im Erdmantel)  in Oberflächennähe gelangt, könnte man diese sehr wohl als "erneuerbare Resource" bezeichnen. Aber das würde einigen Geschäftemachern ihre spekulativen Argumente zunichte machen.

Ich möchte hier nicht den Eindruck erwecken, man könnte oder sollte mit den Schätzen der Erde bedenkenlos wüten. Ein heben dieser Schätze wird bei dem derzeitigen und zu erwartenden zukünftigen globalen Bedarf immer aufwändiger (kostspieliger) und ist mitunter alles andere als Umweltverträglich. Allein das ist Grund genug die Resourcen mit Bedacht zu nutzen. Angstmache mit dem Argument -- schon bald ist alles aufgebraucht-- ist der falsche Weg, denn sie stumpft ab wenn dieses "schon bald" immer wieder nach hinten verschoben werden muß. Knappes Gut wird bei Lieferengpässen oder Produktionsmehraufwand von alleine teurer und damit die Suche nach Alternativen eine logische Folge.


HannsGschaft

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Re: Peak Oil
« Antwort #35 am: 23. Juli 2013, 21:58:58 »
Ich hatte in meiner vorherigen Anmerkung das Methan auf einem Jupiter-Mond angesprochen.
Korrektur: Es ist der Neptun-Mond bekannt unter dem Namen Triton. Ich bitte um Entschuldigung für die obige Fehlinformation.

Ganz neu ist diese Erkenntnis wohl auch nicht. Den Nachweis brachte bereits die Raumsonde Voyager 2 aus dem Jahr 1989. Den Messergebnissen ging man damals aber nicht weiter nach, da es zu absurd erschien. Wie sollte auch das Nebenprodukt von Lebewesen auf Triton gelangen?

Aus welchen Gründen auch immer hat das European Southern Observatory (ESO) das Thema wieder aufgegriffen, und in einer Pressemitteilung vom 07. April 2010 (eso1015de) mit eigenen Untersuchungen das Messergebnis von Voyager 2 bestätigt.

Pflanzen und Tiere kommen wohl nicht in Betracht. Woher stammt also diese Untergruppe (Vorstufe) von unserem bekannten Erdgas Propan und Butan?