Banken ohne Sparer?

(Beitrag von enrico vom 11. Dezember 2017 um 14:55, hier eingefügt mit ergänzenden PDFs)

Keine Kritik, sondern nur ein paar Überlegungen meinerseits:

Betrifft Wikiseite: Banken ohne Sparer?

Das „warum Sparen“ wurde auf der verlinkten Seite betriebswirtschaftlich wirklich sehr gut dargestellt. Allerdings eben aus Sicht einer Geschäftsbank. und nicht aus volkswirtschaftlicher Sicht.

Aus volkswirtschaftlicher Sicht ergeben sich jedoch drei weitere Gründe, warum Sparen notwendig ist oder notwendig sein kann.

Produkte müssen erst einmal hergestellt werden. Das erfolgt teilweise in recht langen Produktionsketten. Hier kommen Produktionskredite ins Spiel, wo Geld neu geschöpft wird. Da aber die Produktion Zeit in Anspruch nimmt und die Gehälter sofort ausgegeben werden können, kann dies zu Inflation führen. Deshalb muss das neu entstandene Geld entsprechend der Produktionszeit blockiert werden. Das wäre der erste volkswirtschaftliche Grund des Sparens. (=Sparen A)

Nachdem die Produkte fertig sind kann ein Teil davon direkt mit dem laufenden Einkommen der Haushalte und Unternehmen erworben werden. Bei einem anderen Teil ist des jedoch nicht möglich, weil das laufende Einkommen dafür nicht ausreicht und deshalb das Erwerbsobjekt per Darlehen erworben werden muss. Dabei übernimmt die Bank die Produktionsschulden des Lieferanten des Darlehensnehmers. Dies erfolgt, indem die Bank Geld schöpft und dies dem Lieferanten via Darlehensnehmer zukommen lässt. Der Lieferant kann damit seine Produktionsschulden tilgen. Dabei verschwindet das hier geschöpfte Geld gleich wieder. Übrig bleibt aber der Passivposten bei der Geschäftsbank aus der vorausgegangenen Geldschöpfung, der beim Kredit an den Lieferanten entstanden ist. Und das sind Verbindlichkeiten der Geschäftsbank gegenüber dem Bankensystem. Diese Verbindlichkeiten der Bank werden laufend durch die Tilgungen der Kreditnehmer abgebaut. Dies erfolgt durch Geldzahlungen der Darlehensnehmer. Gleichzeitig kann die Bank aber auch noch um Sparer werben, die ebenfalls einen Teil dieser Schulden der Bank übernehmen. Dies erfolgt durch Geldeinzahlungen der Sparer. Bei dieser Art des Sparens wird Geld nicht blockiert sondern vernichtet und gleichzeitig Sparguthaben neu geschaffen. Die Darlehensnehmer kaufen zuerst und bezahlen nachher per Tilgraten und die Sparer bezahlen zuerst in Raten und kaufen danach. Das Sparen und das Tilgen ist hier eine Geldvernichtung. Dieses Sparen hilft den Banken aber nur vorübergehend, denn wenn die Sparer ihr Guthaben wieder auflösen wollen, dann muss sich die Bank abermals neu verschulden indem sie entsprechend Geld neu schöpft. Allerdings verschwinden dabei auch die Sparguthaben.
Beim Entsparen verschwinden längerfristige Guthaben und es entstehen jederzeit fällige Sichtguthaben. Dies wäre der zweite volkswirtschaftliche Grund, warum Sparen notwendig sein kann. (= Sparen B)

Nun gibt es auch noch Kredite, bei welchen das Kreditobjekt nichts oder nichts mehr mit der Produktionssphäre zu tun hat. Zum Beispiel beim Kauf einer (unbelasteten) Immobilie oder einem Gebrauchtwagen per Kredit. Bei solchen Krediten entsteht Geld, ohne dass an anderer Stelle neue Produkte entstanden sind oder entstehen werden. Deshalb muss dieses überschüssige Geld ebenfalls blockiert werden, bis der Kredit abgebaut wurde. Würde es nicht blockiert werden könnte es ebenfalls zu Inflation kommen. Dies wäre der dritte Grund, warum Sparen notwendig wird. (=Sparen C)

Sparen A = relativ kurzfristige Fixierung von Geld
Sparen B = Vernichtung von Geld
Sparen C = längerfristige Fixierung von Geld

Das Sparen A führt zu Deflation, wenn es über die volkswirtschaftliche Produktionszeit hinaus erfolgt.

Das Sparen B behindert die Tilgfähigkeit der Darlehensnehmer nicht, solange Sparen A synchron bleibt und nicht über die Produktionszeit hinaus geht.

Das Sparen C behindert die Tilgfähigkeit ebenso wenig, allerdings auch nur solange Sparen A synchron bleibt und nicht über die Produktionszeit hinaus geht.

LG, enrico (Georg Schmid)

Drei Arten des Sparens.
habe noch eine Skizze dazu angefertigt:

Kreislauf VW
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9 Kommentare zu Banken ohne Sparer?

  1. Rudi sagt:

    @ enrico
    Sie schreiben oben:
    „Das „warum Sparen“ wurde auf der verlinkten Seite betriebswirtschaftlich wirklich sehr gut dargestellt. Allerdings eben aus Sicht einer Geschäftsbank. und nicht aus volkswirtschaftlicher Sicht.“

    Das war auch bewusst von mir so gewollt. Bereits über die Betrachtung aus der Sicht einer Geschäftsbank, wie von mir dargestellt, wird heftig gestritten. Werden gleichzeitig auch noch die unterschiedlichen Betrachtungsweisen einer volkswirtschaftlichen Analyse mit einbezogen, sehe ich eine kaum entwirrbare Gemengelage. Um Ihre oben angeführten Ausführungen zu beurteilen fehlen mir zudem entsprechende volkswirtschaftliche Kenntnisse.
    Ich beschränke mich im Wiki auf die Untersuchung und Beschreibung von Vorgängen im Bankensektor.

    LG, Rudi Müller

    • Die gesamtwirtschaftlichen Zusammenhänge sind aber regelmäßig das genaue Gegenteil der einzelwirtschaftlichen Zusammenhänge. Wer auf betriebswirtschaftlichen Überlegungen aufbaut, wird gesamtwirtschaftlich also regelmäßig das Falsche empfehlen. Die wissenschaftlich exakte Formulierung dieser Phänomene finden sie in der „Volkswirtschaftlichen Saldenmechanik“ von Wolfgang Stützel. In diesem Buch sind auch seit über 50 Jahren Dinge logisch konsistent geklärt, über die heute immer wieder diskutiert wird.

      Beispiel zum Gegensatz beim Sparen (im Sinne von Geldvermögensbildung durch weniger ausgeben als einnehmen)

      Partialsatz;
      Ein Haushalt wird durch Sparen sein Geldvermögen erhöhen bzw. verschuldung abbauen.

      Globalsatz:
      Die Summe der Haushalte kann durch Sparen ihr Geldvermögen nicht erhöhen, es ist und bleibt Null.

      Größenmechanik:
      Das Schuldenwachstum der verschuldeten (Staats)Haushalte wird künftig exakt in dem Umfang steigen, wie der Rest der Welt (Sparer-Haushalte) ihre Geldvermögen erhöhen werden.

      Ein Staat der Schulden macht, hat also regelmäßig nicht zuwenig gespart, sondern der Rest der Welt zuviel. Er hat ja auch kein festes Einkommen, gibt er weniger aus, nimmt er weniger ein u.u. Durch die Rückwirkungen auf die Konjunktur kann staatliches Sparen zu mehr Staatsverschuldung führen (Griechenland) oder umgekehrt Staatsmehrausgaben (2016 Flüchtlingskrise) zum höchsten deutschen Staatsüberschuss seit Jahrzehnten.

      In Deutschland glauben die in gesamtwirtschaftlichen Zusammenhängen völlig ungebildeten Bürger und Politiker aber immer noch, dass ein Staatshaushalt eben wie ein Privathaushalt funktionieren würde.
      Wenn wir also Aufklärungsbedarf haben, dann sicher nicht zu betriebswirtschaftlichen Themen in Banken, sondern zum paradoxen gesamtwirtschaftlichen Denken.

      Mit freundlichen Grüßen

      Jörg Buschbeck

      • Rudi sagt:

        JB: Die gesamtwirtschaftlichen Zusammenhänge sind aber regelmäßig das genaue Gegenteil der einzelwirtschaftlichen Zusammenhänge.
        R: Gesamtwirtschaftliche Aussagen können einzelwirtschaftlichen Aussagen widersprechen. Ob dies die Regel ist wäre noch zu untersuchen. Das Beispiel aus dem nächsten Post von Ihnen zeigt dies mE nicht. Aber dort mehr.

        JB: Wer auf betriebswirtschaftlichen Überlegungen aufbaut, wird gesamtwirtschaftlich also regelmäßig das Falsche empfehlen.
        R: Empfehlungen habe ich bisher keine abgegeben. Detailkenntnisse über den Bankbetrieb mögen Ihnen hinderlich bei der Erfassung von volkswirtschaftlichen Zusammenhängen erscheinen. Trotzdem bin ich der Meinung, dass grundlegendes Wissen über den Bankenbetrieb unerlässlich ist, um die teilweise irrigen Aussagen von Ökonomen und Sachautoren zum Bankensektor angemessen zu bewerten.

        JB: Die wissenschaftlich exakte Formulierung dieser Phänomene finden sie in der „Volkswirtschaftlichen Saldenmechanik“ von Wolfgang Stützel. In diesem Buch sind auch seit über 50 Jahren Dinge logisch konsistent geklärt, über die heute immer wieder diskutiert wird.
        R: Die „Volkswirtschaftliche Saldenmechanik“ von Wolfgang Stützel habe ich bereits zeimal durchgelesen und muss gestehen, dass ich das meiste nicht verstanden habe. Partialsatz, Globalsatz und Größenmechanik glaube ich einigermaßen erfasst zu haben, bin ansonsten mit seiner hochschultechnischen Ausdrucksweise, die sich an Studenten wendet, welche nebenbei noch diese und jene Fächer belegen so dass spezielle Kenntnisse vorausgesetzt werden, überfordert.
        Wenn sie auf diesem Gebiet Aufklärung betreiben wollen bietet es sich doch an, eine allgemeinverständliche Darstellung von Stützels Saldenmechanik im Netz anzubieten. Das Wesentliche aus Stützels Werk kann man sicherlich so besser verbreiten, als durch immerwährende Hinweise auf dieses grandiose, schwer zu verstehende Werk die Leser mit der Zeit zu nerven.

        PS: Auch mich kann man gerne mit du ansprechen

  2. zur Kredittheorie:

    Partialsatz:
    Eine einzelne Bank braucht vor dem Kredit eine Einlage

    Globalsatz:
    In der Summe der Banken steigen die Einlagen exakt mit der Kreditvergabe, eben weil
    bei jeder Kreditbuchung eine neue Einlage entsteht.

    Aus der betriebswirtschaftlichen Beobachtung, dass es in einer einzelnen Bak üblich ist, sich vor dem Kredit zu refinanzieren, kann man also gesamtwirtschaftlich keineswegs herleiten, dass man Sparer für Kreditwachstum braucht.

    Geldsparer braucht man nur, um die Verschuldung zu erhöhen. Nach dem Krieg kann man wieder Unternehmer verschulden. Statt Krieg, könnten wir Guthabenbremsen für die Privaten einführen oder wie Japan mit einer unbegrenzten zinslosen Staatsverschuldung für die Geldsparer unseren frieden machen. Mit betriebswirtschaftlichen Themen in Banken sind wir aber keineswegs an den drängenden Fragen unterwegs. Wichtig ist ja immer noch zu beachten, dass Deutschland 8,5% BIP Staatsverschuldung durch Exportüberschüsse in andere Länder bringt, und dann mit dem Finger drauf zeigt.

    Staatsschuldenwachstum = Wachstum der inländischen Netto-Geldvermögen der Privaten abzüglich Verschuldung des Auslandes (Exportüberschüsse)

    • Rudi sagt:

      JB: zur Kredittheorie:
      Partialsatz:
      Eine einzelne Bank braucht vor dem Kredit eine Einlage
      Globalsatz:
      In der Summe der Banken steigen die Einlagen exakt mit der Kreditvergabe, eben weil
      bei jeder Kreditbuchung eine neue Einlage entsteht.
      Aus der betriebswirtschaftlichen Beobachtung, dass es in einer einzelnen Bank üblich ist, sich vor dem Kredit zu refinanzieren, kann man also gesamtwirtschaftlich keineswegs herleiten, dass man Sparer für Kreditwachstum braucht.
      R: Können Sie mir näher erklären, weshalb eine einzelne Bank vor der Kreditvergabe eine Einlage benötigt?

      JB: Geldsparer braucht man nur, um die Verschuldung zu erhöhen.
      R: Weshalb genau benötigt man Geldsparer?

      JB: Nach dem Krieg kann man wieder Unternehmer verschulden.
      R: Hier fehlt mir der Zusammenhang zum vorhergehenden Satz.

      JB: Statt Krieg, könnten wir Guthabenbremsen für die Privaten einführen oder wie Japan mit einer unbegrenzten zinslosen Staatsverschuldung für die Geldsparer unseren frieden machen. Mit betriebswirtschaftlichen Themen in Banken sind wir aber keineswegs an den drängenden Fragen unterwegs. Wichtig ist ja immer noch zu beachten, dass Deutschland 8,5% BIP Staatsverschuldung durch Exportüberschüsse in andere Länder bringt, und dann mit dem Finger drauf zeigt.
      R: Wie sollten solche Guthabenbremsen aussehen?

      Ich kann Ihnen zustimmen, dass viele drängende Fragen der Ökonomie nicht mit betriebswirtschaftlichem Bankwissen beantwortet werden können. Auch die Priorität der gesamtwirtschaftlichen Fragen schätze ich mittlerweile höher ein als die durch bankwirtschaftliche Erkenntnisse beantwortbaren Fragen. Trotzdem möchte ich das angefangene Projekt im Wiki, die Untersuchung des Geldsystems aus banktechnischer Sicht, zu Ende bringen und stellenweise noch ergänzen, bevor ich mich dem volkswirtschaftlichen Themenkreis weiter zuwende.
      Zu einer volkswirtschaftlichen Frage, die auch bankwirtschaftlich beantwortet werden kann, verweise ich auf meine Antwort zu enricos folgendem Beitrag.

      Beste Grüße
      Rudi

  3. enrico sagt:

    Dass auf der Wiki-Seite nur der betriebswirtschaftliche Aspekt beleuchtet wird ist völlig in Ordnung. Das sollte auch weiterhin so sein. Schön wäre es natürlich, wenn parallel dazu auch noch die Volkswirtschaft ihren Platz hier finden könnte

    Allerdings war der Ausgangsartikel fragend mit „schuld ist das Geldsystem?“ tituliert. Und diese Frage kann man nicht beantworten,wenn man die Vorgänge nur vom Inneren einer Geschäftsbank betrachtet.

    Tatsächlich ist es irregeführtes Denken, das zu Krisen führt. Wobei dieses falsche Denken nicht durch mangelnde Kenntnisse, mangelnde Bildung verursacht ist, sondern durch mangelnde Anwendung des gesunden Menschenverstandes und eben oft auch wegen der vermeintlichen VWL-„Bildung“.

    Um zu Erkennen, dass Produkte erst einmal hergestellt werden müssen, bevor sie einen realen Bedarf decken können, dafür muss man sicher nicht VWL studiert haben.

    Ebensowenig benötigt man ein Studium für die Erkenntnis, dass man manche Produkte direkt mittels dem laufenden Einkommen erwerben kann und für andere eine Finanzierung (Darlehen oder Ansparen) benötigt, weil sie zu teuer für das laufende Einkommen sind.

    Auch im dritten Falle, wo z.B. eine Immobilie per Kredit erworben wird, muss man nicht lange nachdenken um zu erkennen, dass dabei keine neue Produkte entstehen oder entstehen werden.

    Der gesunde Menschenverstand kann einen nun schon hier erkennen lassen, dass Geld eigentlich nur durch die Bezahlung der Gehälter entstehen dürfte.Was im derzeitigen Bankensystem ja eben keineswegs der Fall ist.

    Irreführend ist auch, dass man zu sehr in Geld denkt und nicht stattdessen den Wegen der Verbindlichkeiten folgt. Folgt man nämlich den Wegen der Verbindlichkeiten, dann kann man schnell erkennen, dass es keinen Sinn macht, dass Unternehmen Gewinne in Form von Geldüberschüssen machen können. Unternehmen benötigen wohl schon Liquidität aber keinen Geldvorrat. Rücklagen in Form von Sparguthaben ist kein Geldvorrat, sondern ein Anspruch darauf, dass die Bank Kaufschulden übernimmt. D.h. Sparguthaben ist ein Anspruch auf Geld, das nach Auszahlung zum Kauf von Gütern ausgegeben wird. Auszahlung von Geld bedeutet aber für für die Bank nichts anderes als eine Übernahme von Schulden.

    Um letzteres erkennen zu können, muss man allerdings vorher noch verstehen, dass die Vorgänge innerhalb einer Geschäftsbank mindestens in drei Eben gegliedert sein müssten. Leider ist dem heute nicht so. Hätte man das begriffen, dann könnte man leicht sehen, dass Unternehmen ohne Geldüberschüsse auch Rücklagen bilden könnten, indem sie sich auf der Basis-Ebene verschulden um auf einer anderen Ebene Guthaben zu erwerben. Die Unternehmen müssen also die Möglichkeit haben ihre *Gewinne vorfinanzieren* zu können. Damit wäre das G-W-G‘ – Problem gelöst und wenn das gelöst ist, dann benötigen wir auch kein ständiges Wachstum mehr!

    Die Unternehmen erzielen dann keine Geldüberschüsse mehr, sondern verschulden sich um Sparguthaben kaufen zu können und geben diese Schulden an ihre Kunden weiter. Übrig bleibt das Sparguthaben. Mittels dieser Anordnung kann man erreichen, dass die Sparguthaben der einen Unternehmen nicht die Tilgfähigkeit der anderen Unternehmen behindert. Heute sind, sobald die Wirtschaft nicht mehr wächst, die Gewinne der einen Unternehmen die Verluste der anderen. Das kann man ändern!

    Das Grundübel ist einfach, dass man es für normal hält, wenn mehr Geld eingenommen wird als vorher zu Produktion ausgegeben wurde. Sicher, dieser Irrglaube hat historische Ursachen.Trotzdem ist es an der, sich dessen bewusst zu werden.
    Grüße, enrico

    PS: man kann mich gerne auch mit du anreden.

    • Rudi sagt:

      (Dein Du-Angebot nehme ich gerne an und bevorzuge auch selbst die Du-Anrede in Diskussionen)

      In Deinem Beitrag schreibst Du:
      E: Dass auf der Wiki-Seite nur der betriebswirtschaftliche Aspekt beleuchtet wird ist völlig in Ordnung. Das sollte auch weiterhin so sein. Schön wäre es natürlich, wenn parallel dazu auch noch die Volkswirtschaft ihren Platz hier finden könnte.
      R: Meine volkswirtschaftlichen Kenntnisse sind eher gering und reichen bei Weitem nicht aus, um eine ähnlich gut begründete, neutrale volkswirtschaftliche Darstellung zu integrieren.

      E: Allerdings war der Ausgangsartikel fragend mit „schuld ist das Geldsystem?“ tituliert. Und diese Frage kann man nicht beantworten,wenn man die Vorgänge nur vom Inneren einer Geschäftsbank betrachtet.
      R: Mit der Fragestellung, „Schuld ist das Geldsystem“ habe ich auf einige populäre Schriften von „namhaften Autoren“ gezielt. Ein Beispiel ist die „Geldschöpfung aus dem Nichts“ Dieser Slogan täuscht vor, dass hier etwas ungesetzliches geschieht, das unbedingt abgeschafft werden muss. Es kann ja nicht sein, dass neben der Bundesbank noch jemand anderes „Geld druckt“. Diesen Irrtum kann ich mE sehr wohl aus dem Innenleben des Banksektors her aufklären. Steht bei der Geldschöpfung auf der Aktivseite der Bank ein „Nichts“ der Verpflichtung der Bank auf der Passivseite gegenüber? Nur wenn man sich in der „Ding-Geld-Welt“ befindet und glaubt, der Passivposition „Verbindlichkeiten gegenüber Nichtbanken“ müsste Bargeld, das „einzige gesetzliche Zahlungsmittel“ oder zumindest Zentralbank-Buchgeld gegenüberstehen, kann man einen solchen Spruch vertreten.
      Eng verbunden damit ist der Glaube, dass das Bargeld das Zentrum unseres Geldsystems sei und berufen sich dabei auf einzelne Gesetzespassagen. Untersucht man das Bankensystem genauer stellt man fest, dass in der Realität das Geschäftsbanken-Buchgeld, oder genauer gesagt die täglich fälligen Verpflichtungen der Geschäftsbanken, den Kern unseres Geldsystems darstellt. Ohne das Bargeld kann unser Geldsystem weiterfunktionieren, aber nicht ohne die Verschuldung der Banken. Dieser Verschuldung gehen natürlich Verschuldungen von Nichtbanken auf der Aktivseite der Bank voraus. Ausnahme, wenn sie z. B. Vermögenswerte wie Gebäude, Beteiligungen, Gold oder ähnliche andere erwirbt. Hier entsteht eine Verschuldung, welcher ein Vermögenswert gegenübersteht. In beiden Fällen ist jedoch die Aussage „Giralgeld wird aus dem Nichts geschöpft“ zumindest irreführend. Deshalb wehre ich mich auch gegen das geozentrische Weltbild der Zentralbankgeld-Fanatiker, weil es unser Geldsystem einäugig aus der juristischen Sicht einer Gesetzespassage beschreibt.

      E: Um zu Erkennen, dass Produkte erst einmal hergestellt werden müssen, bevor sie einen realen Bedarf decken können, dafür muss man sicher nicht VWL studiert haben.
      ……………………………..
      Der gesunde Menschenverstand kann einen nun schon hier erkennen lassen, dass Geld eigentlich nur durch die Bezahlung der Gehälter entstehen dürfte. Was im derzeitigen Bankensystem ja eben keineswegs der Fall ist.
      R: Über Deine Analyse hinaus bist Du gleich zu Lösungsvoraussetzungen fortgeschritten. Deinen weiteren Erläuterungen kann ich nicht ganz folgen. wenn Du z.B. schreibst:

      E: D.h. Sparguthaben ist ein Anspruch auf Geld, das nach Auszahlung zum Kauf von Gütern ausgegeben wird. Auszahlung von Geld bedeutet aber für die Bank nichts anderes als eine Übernahme von Schulden.
      R: Wenn Du den Ausdruck „Geld“ für irreführend hältst, sollte man auch den v. g. Satz aus Sicht von Verbindlichkeiten betrachten. Das Sparguthaben des Unternehmens bei der Bank ist eine Verbindlichkeit der Bank gegenüber dem Unternehmen, mit einer Frist von z. B. drei Jahren belegt. Benötigt das Unternehmen sofort fällige Verbindlichkeiten als Zahlungsmittel wird von der Bank eine Fristentransformation vorgenommen. Langfristige Verbindlichkeiten werden in kurzfristige Verbindlichkeiten transformiert. Weil die VWL mit diesen Begriffen offensichtlich nichts anfangen kann, definiert sie einfach, dass Verbindlichkeit mit einer Laufzeit über zwei Jahre kein „Geld“ darstellen. Entsprechend sind sie auch nicht in den VWL-Aggregaten M1 bis M3 enthalten. Hingegen sind Verbindlichkeiten mit Laufzeiten kleiner zwei Jahre „Geld“ und in M3 eingeschlossen. Die VWL modelliert sich die Bankenwelt nach eigenem Gutdünken.
      „Geldschöpfung“ wie auch „Geldmengendefinitionen“ sind z. B. in der Bankenlehre quasi Fremdwörter. Sie werden bestenfalls als Zusatzinformation angeboten, ohne jegliche Einbindung in die eigentliche Lehre. Die VWL baut ihre Theorien hingegen auf diesen Geldmengendefinitionen auf.
      So können beide offensichtlich bequem aneinander vorbeireden. Der Sparkassendirektor, der keine Geldschöpfung in seiner Bank erkennen kann, wird als Unwissender dargestellt.

      Deinen weiteren Ausführungen kann ich nicht ganz folgen, da mir u.a. Begriffe wie „G-W-G‘ – Problem“ und ähnliche noch nicht geläufig sind. Besonders der letzte Absatz bleibt mir unverständlich. Kannst Du den ein wenig aufdröseln?
      Beste Grüße
      Rudi

  4. enrico sagt:

    habe erst mal etwas über das G-W-G‘ geschrieben. Mit Graphiken, deshalb als PDF.
    Werde es noch überarbeiten und meinen Lösungsansatz dazu erklären. (bin gerade etwas in Zeitmangel)

    Liebe Grüße, enrico

    hier der link zum PdF
    Weiterleitung http://um-bruch.net/2017/12/16/g-w-g/
    Original:
    ( https://workupload.com/file/vpxjKmx )

    • Rudi sagt:

      Dein PDF habe ich als separaten Beitrag eingefügt, da ich noch keine Möglichkeit gefunden habe, diese im Kommentar unterzubringen.
      Beste Grüße
      Rudi

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